News 30.11.2022
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LNG-Tankerstau vor den Küsten Europas

Bedeutung für die Zukunft des europäischen Gasmarktes

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Seit etwa einem Monat kreuzen über 30 Tanker beladen mit Flüssiggas vor den Küsten von Europa. Diese Situation wirkt angesichts der aktuellen Energiekrise widersprüchlich und lässt erkennen, welchen Herausforderungen sich der Gasmarkt im nächsten Jahr stellen muss. In unserem Artikel erfahren Sie alles über die Hintergründe des aktuellen Tankerstaus und darüber, welche Aussichten sich für die Zukunft daraus ergeben.

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Fehlende Infrastrukturen und warmer Oktober sorgen für Tankerstau

Seit Anfang November wird von einem Tankerstau vor den europäischen Küsten berichtet. Flüssiggas (LNG) im Gesamtwert von 2 Billionen Dollar wartet darauf entladen zu werden. Dieser Stau löst sich nun langsam auf, doch es stellt sich die Frage, wie es überhaupt so weit konnte. Denn vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise wird das Gas in Europa eigentlich dringend benötigt.  

Ursache für den Tankerstau: Die Gasspeicher, die für die Tanker erreichbar wären, haben keine freien Kapazitäten mehr, weshalb die Schiffe nicht entladen können. Und dort, wo Gas benötigt wird, fehlen die nötigen Infrastrukturen, um es zu transportieren.

So gab es bis vor kurzem in Deutschland noch keine einzige Anlegestelle. Erst vor knapp zwei Woche wurde die erste in Wilhelmshaven eingeweiht. Bisher kam Flüssiggas also über verschiedene andere Länder, unter anderem über Frankreich und die Niederlande, nach Deutschland.

Es kommt erschwerend hinzu, dass sich Europa zwar aufgrund der Ereignisse des Ukrainekriegs in einer Energiekrise befindet, viele Gasspeicher aktuell aber voll sind. Grund dafür ist der ungewöhnlich warme Oktober und der damit verbundene Energieverbrauch, der wesentlich niedriger war als erwartet. Die großen Mengen an Gas, die eingekauft wurden, wurden zu diesem Zeitpunkt gar nicht benötigt.

Contango-Situation führt zu Verzögerungen

Die fehlende Infrastruktur und der milde Winteranfang sind allerdings nur ein Teil der Ursache für den LNG-Tankerstau. Hinzu kommt, dass der Gasmarkt sich in einer Contango-Situation befindet. Unter Contango versteht man eine Preissituation bei Termingeschäften. In einer solchen Situation ist der Preis für eine Lieferung umso höher, je weiter der Liefertermin in der Zukunft liegt.

Händler halten ihre Lieferungen bewusst zurück, um zu einem späteren Zeitpunkt einen höheren Gaspreis zu erzielen. Sie spekulieren auf einen Abfall der Temperaturen im Winter und eine damit einhergehende steigende Nachfrage. Dadurch wird die Situation vor Europas Küsten noch verschärft.

Folgen des Tankerstaus für den Straßengüterverkehr

Es ist noch nicht genau abzusehen, ob der Tankerstau größere Auswirkungen auf den Straßengüterverkehr in Europa haben wird. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass die Ereignisse, ähnlich wie bei der Ever-Given-Havarie, weittragende Konsequenzen haben könnten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es mit den steigenden Gaspreisen zu einem größeren Ansturm auf die Häfen kommt, der Verzögerungen in der Lieferkette zur Folge haben könnte. Wer vorbereitet sein will, sollte sich also frühzeitig um flexible Alternativen bemühen und sich auf einen möglichen Dominoeffekt einstellen. Hierbei können vor allem digitale Lösungen hilfreich sein. TIMOCOM bietet verschiedene Anwendungen an, mit denen Sie flexibel und zuverlässig bleiben. Verschaffen Sie sich im unverbindlichen Test einen eigenen Eindruck!


Tankerstaus – Ein wiederkehrendes Problem für den Gasmarkt?

Stellt der aktuelle Tankerstau eine Ausnahmesituation dar oder wird in Zukunft häufiger mit solchen Fällen zu rechnen sein? Im Sommer stellte das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) fest, dass in der Nordsee Staus von Containerschiffen zunehmen. Doch andere Experten sind der Meinung, dass die Herausforderungen auf dem Gasmarkt zukünftig weniger mit Tankerstaus und mehr mit einem zu geringen Angebot zu tun haben werden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen befürchtet, dass in Europa im nächsten Jahr etwa 30 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas fehlen könnten. Und unzureichende Infrastrukturen könnten dieses Problem noch verschärfen.


Der europäische Gasmarkt muss flexibel bleiben

Ein milder Winteranfang, fehlende Infrastrukturen und die Preissituation auf dem Gasmarkt sind die Ursachen für den aktuellen LNG-Tankerstau vor den Küsten Europas. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint die Lage noch harmlos – der Stau löst sich langsam auf und die Gasspeicher sind gefüllt. Doch mit Blick auf den kommenden Winter und die fehlenden Gaslieferungen aus Russland ist absehbar, welche Herausforderungen sich im nächsten Jahr ergeben könnten. Um dem gewachsen zu sein, muss der europäische Gasmarkt seine Infrastrukturen weiter ausbauen und flexibel bleiben.


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