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Transportmarkt 30.07.2020
5 min

Fahrermangel: Gründe und Maßnahmen

Älterer LKW-Fahrer steht vor seinem Fahrzeug.

Über drei Millionen Beschäftigte arbeiten im Logistiksektor und ist somit die drittgrößte. Die Branche verzeichnete 2019 wieder eine Umsatzsteigerung. Mehr als 279 Milliarden Euro wurden in der Logistik laut Bundesvereinigung Logistik erwirtschaftet. Das sind Zahlen, die Arbeitnehmer eigentlich begeistern sollten. Sie zeigen, dass dieser Sektor stetig wächst. Dennoch weisen Transport- und Logistikunternehmen immer wieder auf einen Personalmangel hin. Woran liegt es, dass Fachkräfte und Auszubildende ausbleiben?

 

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Zu wenig Nachwuchs

Das wohl bekannteste Problem in der Logistik-Arbeitswelt ist der Mangel an Berufskraftfahrern. 30 Prozent aller Fahrer in Deutschland, die heute auf dem Bock sitzen, ist über 55 Jahre alt und sie werden in absehbarer Zeit in Rente gehen. Es werden jedoch weniger Berufskraftfahrer ausgebildet, um die Lücke derer zu schließen, die in den wohlverdienten Ruhestand gehen. In einer Studie des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) wurde 2019 ihre Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation untersucht. Der Anteil der weiblichen Fahrer ist seit jeher gering. Der Anteil der weiblichen Fahrer ist seit jeher gering. LKW-Fahren ist noch immer eine Männerdomäne.

Lange hieß es, der Grund für fehlende Auszubildende sei ein zu geringes Gehalt, das auch nach der Ausbildung nicht üppig ausfalle. Löhne wurden daher nach und nach angehoben für Auszubildende. Aktuell liegt der Durchschnittslohn eines LKW-Fahrers bei 31.200€. Doch Unternehmen haben trotz gestiegener Reallöhne Schwierigkeiten, neue Angestellte zu finden. Das lässt sich unter anderem an der hohen Anzahl offener Stellen erkennen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit konnten im Juli 2019 bundesweit insgesamt mehr als 18.000 Arbeitsplätze nicht besetzt werden. Man sollte jedoch beachten, dass es regional deutliche Unterschiede gibt.

Unattraktive Arbeitsbedingungen

Jugendliche interessieren sich wenig für die Ausbildung zum LKW-Fahrer. Die Anzahl der Berufskraftfahrer*innen in Deutschland unter 25 Jahren beträgt nur 2,7 Prozent laut Studie des BAG. Die Zahl der Ausbildungsabbrecher ist hoch. Der Grund dafür sind unter anderem Überstunden und Wochenendarbeit, sowie längere Touren, die mehrere Tage unterwegs bedeuten. Natürlich hängen die Arbeitsbedingungen immer auch von anderen Faktoren ab wie der Region und dem jeweiligen Tätigkeitsfeld. Durchschnittlich verbringen sie regelmäßig mehrere Tage auf Tour.

Das Problem des Fahrermangels ist seit langer Zeit in Politik und Verbänden bekannt und man tut einiges, um die Situation der Fahrer zu verbessern. Mit der Mobilitätsrente, die eine Altersvorsorge bietet, kommt wichtige Unterstützung für Berufskraftfahrer. Weitere Hilfe soll das Anfang Juli verabschiedete EU-Mobilitätspaket bieten, das Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitslage aller Fahrer in Europa enthält. Für die Nachwuchsproblematik in Deutschland dürfte dies jedoch nicht die Lösung darstellen.

Es sollte weitere Maßnahmen geben, um die Arbeitsbedingungen von Berufskraftfahrer zu verbessern und die Attraktivität dieses Berufs zu steigern. Das Bundesamt für Arbeit ermittelte in einer bundesweiten Befragung, dass nur 30,8 Prozent der Befragten nach Feierabend zum Unternehmensstandort zurückfahren würden. Die Auslieferung von Waren macht dies sicherlich erforderlich. Allerdings ist diese Arbeitsart Jugendlichen schwer zu vermitteln, um sie für eine Ausbildung in der Logistik zu begeistern. 

Der Generation Z, also jene, die zwischen den Jahren 1997 und 2012 geboren wurden, ist die Planbarkeit ihrer Arbeitszeiten besonders wichtig. Die Work-Life-Balance muss stimmen und Arbeit zum Freizeit- und Familienleben passen. Arbeitgeber müssen sich auf die Wünsche der Auszubildenden einlassen, um diese für den Beruf gewinnen zu können. Immer mehr Unternehmen richten bei der Personalsuche daher ihr Augenmerk auf Quereinsteiger laut einem Artikel der DVZ. Durch Weiterbildungen oder Umschulungen sollen Quereinstiege ermöglicht oder leichter gemacht werden. Oft ist der Führerschein schon ausreichend.

(K)eine Zukunft in der Logistik?

Die Automatisierung findet immer häufiger Anwendung und mit ihr viele Ansätze, um die Logistik von morgen zu gestalten. Neue technische Möglichkeiten sorgen jedoch auf für Skepsis. Sorgt die Digitalisierung womöglich dafür, dass Menschen den Beruf als LKW-Fahrer nicht mehr als zukunftsfähig ansehen? Laut einer Studie sehen 35% der Befragten ihren Arbeitsplatz in der Logistik durch die Digitalisierung bedroht. Die Annahme herrscht vor, dass der Mensch in Zukunft beim Transport von Waren nicht mehr benötigt werden würde.

Die Antwort ist: Die Zukunft der Logistik geht in Richtung Zusammenwirken von Mensch und Maschine. Das Tätigkeitsfeld von Berufskraftfahrern umfasst nicht nur das Fahren von Ladung von einem Ort zum nächsten. Die Aufgaben sind vielfältig und es gehören u. a. die Kontrolle und Wartung des Fahrzeugs sowie die Koordination und Kommunikation mit anderen am Transport Beteiligten. Viele dieser Tätigkeiten können nicht vollumfänglich digital ersetzt werden und brauchen einen Menschen, der sie übernimmt oder steuert. Technologien der Zukunft helfen dabei, Prozesse zu optimieren und smarter zu machen. Die Einführung neuer Technologien birgt somit Vorteile für Arbeitnehmer im Transportgewerbe.

Wie dem Fahrermangel entgegengewirkt werden kann, können Sie hier lesen. Dies kann unter anderem durch Werschätzung, verbesserte Work-Life Balance sowie Digitalisierung und digitale Helfer geschehen.

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