Störungen an zentralen Handelsrouten wirken sich direkt auf Dieselpreise und Transportkosten aus. Die Straße von Hormus zeigt aktuell, wie schnell daraus zusätzlicher Druck auf Planung und Margen im Straßengüterverkehr entsteht.
Sie ist ein typisches Beispiel für einen strategischen Engpass – einen sogenannten „Chokepoint“, wie ihn auch Suez- und Panamakanal, die Straße von Malakka oder der Bosporus darstellen. Wird ein solcher Knotenpunkt gestört, verändern sich Preise, Kapazitäten und die Planung im Straßengüterverkehr.
Wie sich steigende Kosten konkret auf die Transportkalkulation auswirken und worauf Transportunternehmen achten sollten, lesen Sie hier:
Zum Artikel über TransportkostenDie Eskalation im Irankonflikt und die anhaltende Blockade der Straße von Hormus sind deutlich bedrohlicher. Denn die Meerenge im Persischen Golf ist ein wichtiger Transportweg für fossile Brennstoffe.
Von 2023 bis 2025 flossen dort jährlich etwa ein Fünftel des weltweiten Flüssigerdgases. Zudem liefen 25 Prozent des seegestützten Ölhandels durch die Straße von Hormus. Rund 84 Prozent dieses Öls sind für China, Indien, Japan und Südkorea bestimmt.
Die unmittelbaren Folgen für europäische Länder sind damit zunächst weniger drastisch, da ihre Lieferquellen breiter aufgestellt sind. Eine Störung wirkt sich trotzdem weltweit auf die Ölpreise aus. Das beeinflusst auch die Kosten in Europa.
„Die aktuelle Entwicklung in der Straße von Hormus zeigt, wie schnell sich die Lage zuspitzen kann – sie bleibt ein strategisches Risiko“, sagt Gunnar Gburek, Head of Business Affairs bei TIMOCOM. Vor allem weil das anfangs von der US-Regierung propagierte schnelle Kriegsende eben nicht eingetreten ist.
Deshalb halten die Störungen ein halbes Jahr später weiterhin an. Durchquerten bis zum Februar 2026 noch täglich rund 125 große Handelsschiffe die Meerenge, sind es derzeit immer noch lediglich rund ein Viertel, an manchen Wochenenden sogar nur ein Dutzend.
Gleichzeitig hat Saudi-Arabien aufgrund der Huthi-Angriffe auf die Ost-West-Pipeline von Saudi Aramco seine Exporte jüngst wieder erhöht. Den Golfstaaten gelingt es dabei auch zunehmend, die iranische Kontrolle mittels Schattenflotten und ausgeschalteten Transpondern zu unterlaufen. Laut dem Analystenhaus Kpler passieren gegenwärtig täglich zwischen 10 und 12 Millionen Barrel Öl die Meerenge, etwa die Hälfte des Vorkriegsniveaus, wie die Frankfurter Rundschau Ende September berichtete.
(Stand: Oktober 2026)
Die exakten Mengen können von Tag zu Tag erheblich schwanken und dies auf bislang unabsehbare Zeit. Darin liegt das eigentliche Problem für die weltweiten Lieferketten, die auf Verlässlichkeit angewiesen sind. Eine Energiekrise zeigt sich an den Tankstellen und trifft vor allem die Logistik. Steigende Dieselpreise erhöhen die Betriebskosten im Straßengüterverkehr direkt und erschweren die Kalkulation von Transportaufträgen.
Gleichzeitig werden wichtige Vorprodukte knapper, etwa für Düngemittel und die Chemie. Das treibt die Preise für Landwirtschaft und Lebensmittel nach oben und erhöht den wirtschaftlichen Druck entlang der gesamten Lieferkette.
Logistikunternehmen müssen demnach knallhart kalkulieren. Nach oben schießende Frachtraten im Seeverkehr sind da Gift für das Geschäft.
Der Leitindex WCI (World Container Index) des Londoner Beratungsunternehmens Drewry stieg seit Beginn des Irankriegs deutlich. Er kletterte von 1.899 US-Dollar zwei Tage vor den Angriffen auf 2.287 US-Dollar am 2. April. Und auch im Straßengüterverkehr schlagen die gestiegenen Dieselpreise heftig zu Buche.
Im September 2026 lag der Literpreis bei 2,41 Euro. Dadurch entstehen Mehrkosten von rund 1.200 Euro pro LKW und Monat. Das steigert den Margendruck für Logistikdienstleister, insbesondere bei Fixverträgen, deutlich.
„Für viele Transportunternehmen wird es jetzt eng: Die Kosten steigen. Doch sie lassen sich nur in geringem Umfang weitergeben und wegen der ohnehin geringen Gewinne kaum selbst auffangen“, erklärt Gunnar Gburek.
Wenn der Seeverkehr nicht reibungslos funktioniert, verschieben sich Transportströme innerhalb Europas. Häufig werden alternative Landrouten genutzt, etwa über Bahnverbindungen oder kombinierte Korridore zwischen Asien und Europa. Die zusätzlichen Volumina müssen weiterverteilt werden, was insbesondere in Südost- und Mitteleuropa zu einer höheren Auslastung führt. In der Folge steigen in diesen Regionen die Preise für Transporte.
Auf Prozessebene sinkt die Planbarkeit. Reedereien meiden bei erhöhter Unsicherheit bestimmte Routen und weichen auf längere Strecken aus. Zum Beispiel über das Kap der Guten Hoffnung statt durch den Suezkanal. Dadurch verlängern sich Transportzeiten und Ankünfte in europäischen Häfen erfolgen unregelmäßiger.
Das führt zu einem sogenannten Batch-Effekt: Große Mengen an Containern treffen gebündelt ein statt gleichmäßig verteilt. Diese Volumenspitzen müssen kurzfristig über den Straßentransport abgewickelt werden. Das führt zu Engpässen bei LKW-Kapazitäten und zusätzlichem Verkehrsaufkommen.
Verzögerte oder fehlende Vorprodukte führen zu Produktionsstörungen. Fabriken drosseln oder stoppen die Produktion. Später fahren sie sie wieder hoch. Dadurch entstehen unregelmäßige Transportbedarfe, etwa durch kurzfristige Zusatzfahrten oder gering ausgelastete Rückläufe.
Viele Unternehmen reagieren auf die Unsicherheit mit höheren Lagerbeständen. Das erhöht die Zahl regionaler Transporte zwischen Häfen, Lagern und Produktionsstandorten. Der Straßengüterverkehr gewinnt dadurch als flexibles Bindeglied innerhalb Europas weiter an Bedeutung.
Schließlich verändern sich auch die Logistikströme innerhalb Europas, da sich die Bedeutung einzelner Häfen verschiebt. Je nach Routenwahl der Schifffahrt können andere Umschlagplätze stärker frequentiert werden, was zusätzliche Transporte ins Hinterland erforderlich macht. Daten von Eurostat zeigen, dass sich solche Verschiebungen im Seeverkehr direkt in nationalen und grenzüberschreitenden Straßentransporten widerspiegeln.
In Krisenzeiten steigt der Zeitdruck – und verfügbare Kapazitäten werden knapper. Flexibilität und Kurzfristigkeit, wie sie der Spotmarkt bietet, gewinnen dadurch weiter an Bedeutung.
Über moderne Online-Frachtenbörsen wie den Road Freight Marketplace von TIMOCOM finden Auftraggeber und Auftragnehmer von Transporten schnell neue Partner. So entstehen kurzfristig neue Geschäftsbeziehungen. Transportaufträge werden zuverlässig und digital vergeben.
Störungen im maritimen Handel bleiben in einer vernetzten Welt nicht isoliert. Sie wirken sich über Preise, Routen und Strategien auf die Logistik und den europäischen Straßengüterverkehr aus.
Die Folgen sind:
Online-Frachtenbörsen können dabei helfen, kurzfristige Ausfälle abzufedern und die eigene Logistik flexibel zu steuern.
Warum wir über Logistik schreiben? Weil wir seit über 25 Jahren Fracht und Laderaum zusammenbringen. Mit mehr als 58.000 Kunden ist der TIMOCOM Road Freight Marketplace eines der führenden Logistiknetzwerke für den Straßengüterverkehr in Europa.
Jetzt mehr erfahrenDie Straße von Hormus ist eine zentrale Transitroute im globalen Seeverkehr und ein wichtiger Transportweg für den Ölhandel. Ein großer Teil der weltweiten Energieexporte passiert diese Meerenge.
Störungen im Seeverkehr wirken sich direkt auf die Energiepreise aus – und damit auch auf Dieselpreise und Transportkosten im Straßengüterverkehr.
Störungen in der Straße von Hormus können Energiepreise und Transportkosten erhöhen und zu Verzögerungen im Seeverkehr führen. Für Transportunternehmen bedeutet das höheren Kostendruck und geringere Planbarkeit.