Logistikwissen 21.07.2022
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Alternative LKW-Antriebe im Vergleich – Das sollten Transportunternehmen wissen

Das Bild zeigt einen LKW-förmigen See, in dem sich ein leicht bewölkter Himmel spiegelt, umgeben von dichtem, grünem Wald.

Fast 100 Jahre nach der Vorstellung der ersten Diesel-LKW auf der IAA neigt sich das Zeitalter dieser Technologie dem Ende zu. Leichte Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen mit batterieelektrischen Antrieben sind bereits in größeren Stückzahlen auf dem Markt. Doch bei schweren LKW befinden sich alternative Antriebe sowie die Tank-, Lade- oder auch Oberleitungsinfrastruktur überwiegend im Entwicklungsstadium. Wir liefern Ihnen einen aktuellen Überblick zu den neuen Antriebsmethoden und erklären, worauf Sie bei der Umrüstung Ihrer Flotten achten sollten.

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Lieferkettengesetz und Klimaschutzprogramme erhöhen Druck auf Logistik

Der Großteil der rund 3,4 Millionen LKW auf deutschen Straßen fährt mit Diesel-Kraftstoffen und Verbrennungsmotoren. Mit alternativen Antrieben sind es lediglich 1,8 Prozent der angemeldeten LKW in Deutschland. Wenn die erste Stufe des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) am 1. Januar 2023 in Kraft tritt, werden Unternehmen zum klimaneutralen und ethischen Handeln entlang ihrer Lieferketten verpflichtet. Auch Speditionen und Transportunternehmen müssen sich rechtzeitig auf die neue Gesetzeslage vorbereiten, z. B. durch das Umrüsten ihrer Flotten durch alternative LKW-Antriebe.

Im Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung ist das Ziel, bis 2030 etwa ein Drittel der schweren Straßengüterverkehre elektrisch oder auf Basis strombasierter Kraftstoffe fahren zu lassen, deswegen fest verankert. Vielzählige Förderprogramme sollen den Umstieg auf Elektro-LKW und Wasserstoff-LKW erleichtern und die Tank- sowie Ladeinfrastruktur verbessern.

Im Vergleich: LNG, E-LKW, Wasser- und Brennstoffzellen

Die Umrüstung auf neue Flotten ist für Transportunternehmen kostenintensiv und wirft viele Fragen auf. Denn neben dem Anschaffungspreis spielen auch die Reichweite, Leistung und Zuverlässigkeit der Fahrzeuge eine entscheidende Rolle. Auf welche Technologie sollte man also setzen?

LNG (Liquefied Natural Gas)

  • auf -162°C gekühltes Erdgas
  • ideal für lange Strecken sowie schwere Frachten
  • Reichweite: je nach LKW und Menge der Tanks bis zu 1.600 km
  • Technologie basierend auf einer Art Diesel-Motor, aber leiser und umweltfreundlicher (bis zu 22% weniger Treibhausgase)
  • je nach Produktionsart des Erdgases kaum Klimavorteile
  • rund 18.000 dieser LKW fahren aktuell auf Deutschlands Straßen

Gut zu wissen: Auch LKW mit herkömmlichem Erdgas-Antrieb (CNG) sind umweltfreundlicher, haben aber eine geringere Reichweite.

Elektro-LKW

Aktuell gibt es in Deutschland rund 32.000 E-LKW, die sich in zwei Gruppen aufteilen:

  1. Akku-Technologien
  • Lithium-Ionen-Akkus
  • Reichweite derzeit ca. 450 km
  • sollte die Entwicklung der Schnellladeinfrastruktur zügig voranschreiten, könnten die vorgeschriebenen Ruhezeiten nach 4,5 Stunden Lenkzeit (durchschnittlich 400 km) ausreichen
  • Gewicht des Akkus: je nach Fabrikat ca. 5.440 kg bis 7.500 kg
  • Anschaffungspreis rund dreimal höher als bei Diesel-LKW, wird aber durch Förderprogramme in Teilen aufgefangen
  1. Oberleitung
  • Oberleitung ähnlich zum Schienenverkehr
  • vereinzelte Test-Strecken, z. B. auf dem eHighway an der BAB A1 in Schleswig-Holstein

Wasser- und Brennstoffzellen

  • Elektrofahrzeug mit Brennstoffzelle
  • Wasserstoff reagiert mit Sauerstoff, das Ergebnis ist Strom
  • neben dem reinen Wasserdampf entstehen keine Abgase
  • im Vorfeld geht ein Großteil der aufgebrachten Energie zur Wasserstoffproduktion verloren
  • Reichweite ca. 300 bis 400 km
  • Anschaffungs- und Betriebskosten etwa viermal höher als beim Diesel-LKW
  • Infrastruktur bietet aktuell kaum Wasserstofftankstellen

Einflussgrößen: Zuverlässigkeit, CO2-Preis und Druck von außen

„Wie zuverlässig ist der alternative Antrieb meiner Wahl?“ Diese Frage sollten Sie sich mit Blick auf die Gesamtkosten über den Lebenszyklus stellen. Denn Fahrzeugausfälle und Reparaturen können schnell große Verluste verursachen. In einem Markt mit hohem Wettbewerb und Kostendruck sind fehlende Aufträge vor allem für kleinere Unternehmen schnell existenzbedrohend.

Parallel steigt der Druck auf Logistikunternehmen, sich umzustellen. Nicht nur bedingt durch gesetzliche Vorgaben, sondern auch von Seiten der Auftraggeber aus Industrie und Handel sowie aus der Gesellschaft. Entsprechend flexibel sollten sich Unternehmen aus Transport und Logistik dem Thema nähern und sich zeitnah mit den Flotten der Zukunft beschäftigen.

Lösungsansatz „CO2-Kalkulation“ mit TIMOCOM Partner

Der CO2-Preis von derzeit 30 Euro wird bis 2026 auf 65 Euro pro Tonne ansteigen. Für durchschnittliche Diesel-LKW bedeutet das rund 6.500 € Mehrkosten pro Jahr, wie Tobias Häßler, Managing Director beim TIMOCOM Partner BigMile, kürzlich im TIMOCOM Interview erklärte. Auch dies gilt es in der Kalkulation und in den Überlegungen zu berücksichtigen, denn langfristig ist diese Lösung ebenso wenig zukunftsfähig.

Das Unternehmen bietet einen Lösungsweg an: Als Grundlage für nachhaltige Investitionen, z. B. in alternative Antriebe, erstellt es für Unternehmen CO2-Bilanzen. Auf Basis des Ergebnisses erhalten die Kunden Vorschläge, wie sie ihre Emissionen reduzieren können.

Praxisbeispiel Spedition Timotrans

Auch die Spedition Timotrans International GmbH & Co. KG aus Erkrath setzt sich bereits aktiv mit den zukünftigen Anforderungen auseinander. Aufgrund des Test-Status der alternativen Antriebe ist man hier noch im Beobachtungsmodus. 
„Wir haben, wie viele andere auch, LNG im Fokus“, erklärt Armin Nagler, Assistent der Geschäftsführung. „Allerdings befindet sich auch dieser Antrieb noch im Test. Uns ist sehr wichtig, unsere Entscheidung bei der Umrüstung fundiert fällen zu können und dies ist aktuell noch nicht möglich. Die Umstellung ist mit großen Investitionen verbunden. Also brauchen wir die Sicherheit, eine Alternative zu haben, mit der wir unsere Services weiterhin zuverlässig erfüllen zu können.“

Trotzdem hat sich die Spedition schon abseits der Antriebs-Thematik aktiv mit Möglichkeiten zum nachhaltigen Handeln auseinandergesetzt und diese in den Speditions-Alltag integriert. Dokumente wurden längst digitalisiert, der CO2-Ausstoß wird auf Wunsch der Kunden kompensiert. Darüber hinaus ist die Timotrans zertifizierter FUMO® Green Carrier und überwacht den ökologischen Fußabdruck der eigenen Flotte, um Optimierungen herbeizuführen.

Klimawende ist eingeläutet: Stetig informieren und langfristig umstellen

Müssen oder möchten Sie in den kommenden Monaten Ihren Fuhrpark ändern, können die Förderprogramme der Bundesregierung wichtige Anhaltspunkte für die Umsetzung bieten. Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) bietet mehrere Programme an, denen sich Unternehmen aus der Straßengüterindustrie anschließen können. Informieren Sie sich hierzu auf der Website des BAG.

Die Klimawende stellt speziell für die Logistik einen langen Prozess mit vielen Hürden dar, der Investitionen und eine große Portion Mut erfordert. Bei einem Marktanteil von rund 2%, nicht ausgereiften Technologien und einer unzureichenden Infrastruktur, können und müssen kleinere Transportunternehmen nicht Teil der ersten Innovationswelle werden.

Beobachten Sie den Markt und die Entwicklung, um schnell und flexibel auf Änderungen reagieren und die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit treffen zu können. Parallel sollten Sie sich für die Zukunft aufstellen und an der Effizienz und Auslastung Ihrer Flotten arbeiten, z. B. mit Hilfe von IT-Lösungen, wie dem Marktplatz von TIMOCOM. Sehen Sie außerdem Wettbewerber, wie z. B. die Spedition Timotrans, als Inspirationsquelle, wie nachhaltige Konzepte in den Alltag integriert werden können.


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