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Logistikwissen 14.09.2021
5 min

Gastbeitrag: Die Wichtigkeit der Supply Chain Visibility

von Prof. Dr. Stephan Freichel und Pia Rütten

Prof. Dr. Stephan Freichel und Pia Rütten von der TH Köln beschreiben die Wichtigkeit der Supply Chain Visibility

Dynamische Märkte und vielschichtige Logistiknetzwerke stellen Unternehmen vor immer größere Herausforderungen. Einerseits, weil auf unvorhersehbare Marktveränderungen rasch reagiert werden muss, andererseits, weil Lieferketten immer komplexer und damit auch fehleranfälliger werden. Das zeigte sich eindrucksvoll in der Covid-19-Pandemie, die zu Engpässen in der Containerschifffahrt sowie Versorgungsengpässen bei Bauteilen und Rohstoffen geführt hat.

Mögliche Folgen externer Einflüsse auf Supply Chains

In der Logistik treten täglich spontane Ereignisse ein, wodurch Lieferketten ins Stocken geraten. Das mag einfache Gründe haben. Zum Beispiel eine verspätete LKW-Anlieferungen im Lager aufgrund von Verzögerungen bei der Beladung, von Staus oder schlechten Wetterbedingungen. Als Folge können Lieferziele oft nicht eingehalten werden. Und obwohl einige dieser Störungen nicht verhindert werden können, führt vor allem die Unkenntnis im Hinblick auf die ETA (estimated time of arrival) oftmals zu erheblichen Verwirbelungen nachgelagerter Prozessschritte. Denn Lieferservice, Produktivität und Kosten können nur eingehalten werden, wenn alle an der Supply Chain Beteiligten rechtzeitig über den Zustand der Abläufe und Ressourcen informiert werden. In der Logistik versteht man dies als zweckgerichtetes Wissen, im Sinne eines entscheidungsorientiert aufbereiteten Datenmaterials. Wenn der Verlader zum Beispiel die korrekten Ankunftszeiten aller LKW kennt, kann er sein Rampenmanagement nachhaltig optimieren und somit die Effizienz steigern.

Lieferketten festigen durch stabile IT-Infrastrukturen und Datentransparenz

Transparente Lieferketten tragen dazu bei, Logistikern bei der Entscheidungsfindung zu helfen. Supply Chain Visibility ist die Fähigkeit von Unternehmen, Güter, Prozesse und Bestände entlang der downstream- und upstreamgerichteten Supply Chain in Echtzeit zu identifizieren und lokalisieren. Upstream bedeutet hierbei der Weg vom Rohmaterial zum fertigen Produkt, also der Produktionszyklus, Downstream hingegen beschreibt die Lieferkette von der Produktion bis zum Endverbraucher, also die Distribution. In beiden Bereichen ist die transparente Nachverfolgung elementar.

Voraussetzung hierfür ist unter anderem die ausreichende Verknüpfung von Informationssystemen sowie die Genauigkeit und der Umfang von Daten, möglichst in Echtzeit. Geeignete Informationssysteme zur Unterstützung des Supply Chain Event Managements können dabei mit verschiedenen technischen Systemen gekoppelt werden. Die direkte Möglichkeit des Auslesens von Maschinensensordaten (z. B. Barcodelesedaten oder intelligente Container) ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. In der Praxis weit verbreitet sind nach wie vor manuelle Erfassungen mit Handzetteln und manueller, oft zeitversetzter Übertragung in elektronische Daten. Beispielsweise gibt es kamerabasierte LKW-Einfahrtsgates, dennoch werden die Papiere anschließend nicht selten manuell im LKW-Büro erfasst.

Entscheider im Change-Prozess: Risikomanager, Coach und Visionär

Supply Chains – Beschaffungs-, Distributions- und Absatzlogistik (engl. inbound, outbound und reverse) - sollten nicht nur von „Rampe zu Rampe“ innerhalb des eigenen Betriebs, sondern darüber hinaus aktiv gemanagt werden. Für Entscheider in Unternehmen heißt das, sich der Konsequenzen von unzureichend intelligenten Systemen und der damit einhergehenden Intransparenz bewusst zu werden. Das erfordert unternehmerischen Weitblick und eine pragmatische Abschätzung der Vorteile von verbesserter Sichtbarkeit. Nicht selten hat das einen klassischen Change Management-Prozess innerhalb der Unternehmen zur Folge. Mit Hilfe von Trainings und dem Aufbau agiler Teams kann ein organisatorischer Wandel bewerkstelligt werden, der die Effizienz steigert und von allen Beteiligten getragen und verstanden wird.

Häufig können organisatorische Hemmnisse hinsichtlich sozio-emotionaler Aspekte neben sach-logischen Elementen im Rahmen eines Change Managements am besten mit frühzeitiger Einbeziehung der Akteure, Trainings und geplantem organisatorischem Wandel überwunden werden. Dabei gilt es, rechtliche Rahmenbedingungen bezüglich Compliance und Datensicherheit (z.B. Abhängigkeit und Einfluss), sowie der Frage nach Daten- und Informationshoheit (z.B. Angst vor Machtverlust) zu beachten. Supply Chain Visibility ist auch vor diesem Hintergrund eine Top Management-Aufgabe und kann nicht schlicht als untergeordnetes IT-Projekt nach dem Motto „lästiges Übel“ geführt werden.

Supply Chain Visibility als Kern zukunftsfähiger und nachhaltiger Logistik

Supply Chain Visibility ist ein zunehmend wichtiges strategisches Produktfeature (logistischer) Dienstleistungspakete wie auch physischer Produkte sowie deren Kombination. Nahe liegen hier Beispiele aus der Pharma- oder Lebensmittellogistik, um Kühlketten für Nahrungsmittel oder die rechtzeitige Verfügbarkeit von Impfstoffen sicherzustellen. Aber auch Textil- oder High Value Item Supply Chains sind mehr denn je auf eine transparente Lieferkette angewiesen, um eine reibungslose Supply Chain von Produktion bis zur Distribution zu gewährleiten.

Gefordert ist also eine durchgängige Sichtbarkeit und Rückverfolgbarkeit der Warenströme z. B. von Medikamenten oder Lebensmitteln. Lieferkettengesetze erfordern es. Kunden wünschen es. Logistikdienstleister haben dabei eine wichtige Koordinations- und Integrationsfunktion. Supply Chain Visibility entlang der Lieferkette ist als Top Ziel in die Agenda der Entscheider aufzunehmen und zügig schrittweise umzusetzen.

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Zu den Autoren:

Prof. Dr. Stephan Freichel ist Professor für Distributionslogistik an der TH Köln und war zuvor über 25 Jahre in führenden Positionen sowie in Vorstand und Geschäftsführung in den Bereichen Logistik, Supply Chain Management, Marketing und Vertrieb, u.a. bei GM, Merck, ZF und Microlog/ Logwin. Ferner ist Professor Freichel tätig als Independent Business Consultant für namhafte Unternehmen.

 

Pia Rütten (M.Sc.) ist seit ca. zwei Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin für das Lehrgebiet Distributionslogistik an der TH Köln. Ihren Master hat Sie im Studiengang Supply Chain and Operations Management an der TH Köln absolviert. Schwerpunkt ihrer Forschung liegt insbesondere im Bereich der Digitalisierung in der Supply Chain.

 

 

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