Die TIMOCOM Thekentalks zeigen aktuelle Ansätze gegen die drängendsten Herausforderungen im Straßengüterverkehr.
Mehr Ladung als verfügbarer Frachtraum, fehlende Fahrer und hohe Betriebskosten: Unternehmen im Straßengüterverkehr stehen unter Druck, ihre vorhandenen Ressourcen effizienter einzusetzen und gleichzeitig neue Kapazitäten zu erschließen. Wie das gelingen kann, diskutierte TIMOCOM auf der IAA Transportation 2026 mit vier Vertretern aus unterschiedlichen Bereichen der Transport- und Logistikbranche.
Die Gespräche zeigen, wie vielfältig die Ansätze im Straßengüterverkehr sind. Während die Spedition Hergarten beim Fahrpersonal ansetzt, will CTV mehr aus der vorhandenen Transportkapazität herausholen. Alternoil sieht in Bio-LNG einen wirtschaftlichen alternativen Kraftstoff und der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BPEX) richtet den Blick auf wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen.
Wie unmittelbar sich die angespannte Kapazitätssituation im operativen Geschäft auswirkt, beschreibt Mona Smeets, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation der Spedition Hergarten. Die Fahrzeuge des Unternehmens seien ausgelastet, gleichzeitig reiche der verfügbare Frachtraum nicht immer aus, um die vorhandene Nachfrage abzudecken. „Die Auftragslage ist eigentlich besser, als der Fuhrpark es aktuell hergibt“, sagt Smeets. Teilweise bleibe Ware stehen oder es dauere länger, Transporte auf die Straße und zum Kunden zu bringen. Auch am Spotmarkt sei es schwieriger geworden, zusätzliche Kapazitäten zu finden.
Ein wesentlicher Hebel liegt für Smeets beim Fahrpersonal. Dabei gehe es nicht allein um die Vergütung. Auch Arbeitsbedingungen, die Behandlung der Fahrer an den Be- und Entladestellen sowie die Fahrzeugausstattung spielten eine Rolle. Hergarten hat für die Personalgewinnung jüngst in die Türkei expandiert. Ziel sei es, Fahrer für eine Beschäftigung in Deutschland zu gewinnen.
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Josef Warmeling, COO von Creating Truck Values, kurz CTV, setzt an einer anderen Stelle an: Wenn Fahrer und Fahrzeuge knapp sind, müsse die vorhandene Transporteinheit effizienter genutzt werden. Das Start-up hat dafür ein flexibles Doppelstocksystem für Curtainsider entwickelt, mit dem sich die Palettenkapazität von 33 auf bis zu 66 Paletten erhöhen lässt. Für Warmeling bringt das Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit zusammen: „Wir müssen es möglich machen, dass der Transportunternehmer mal wieder eine Chance hat, mit dem Transport Geld zu verdienen.“ Erst dann könne sich ein Unternehmer auch über Nachhaltigkeit Gedanken machen.
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Benedikt Rolfes, Geschäftsführer bei Alternoil, sieht einen weiteren Hebel bei den Betriebskosten. Der Wechsel vom Diesel zu Bio-LNG könne Transportunternehmen helfen, ihre Kraftstoffkosten zu reduzieren und zugleich die CO₂-Emissionen zu senken. Die niedrigeren Kraftstoffkosten könnten die höheren Anschaffungskosten eines Bio-LNG-LKW bereits innerhalb eines Jahres wettmachen.
Zusätzlichen Handlungsbedarf sieht Rolfes bei der Lkw-Maut. Denn obwohl Bio-LNG zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen beitragen kann, wird der eingesetzte Kraftstoff bei der Einstufung in die CO₂-Emissionsklassen bislang nicht gesondert berücksichtigt. Rolfes fordert deshalb „einen faireren Wettbewerb zwischen den Antriebstechnologien“. Insbesondere sollte Bio-LNG bei der CO₂-Komponente der Maut stärker berücksichtigt werden.
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Dass sich die Herausforderungen je nach Transportsegment unterscheiden, zeigt der Blick auf die Kurier-, Express- und Paketbranche. Marten Bosselmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik (BPEX), berichtet trotz der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung von einem anhaltenden Personalbedarf. Gesucht würden Beschäftigte in Sortieranlagen und IT ebenso wie Zustellerinnen und Zusteller.
Neben der Gewinnung von Arbeitskräften sieht Bosselmann Handlungsbedarf bei den politischen Rahmenbedingungen. „Bürokratie bedeutet Lähmung. Bürokratie bedeutet, dass wir nicht nach vorne kommen“, sagt er mit Blick auf administrative Belastungen der Unternehmen und fordert mehr Effizienz von der Politik.
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So unterschiedlich die Perspektiven der vier Gesprächspartner sind, verbindet sie eine zentrale Frage: Wie kann der Straßengüterverkehr unter schwierigen wirtschaftlichen und strukturellen Bedingungen leistungsfähig bleiben? Gunnar Gburek, Head of Business Affairs bei TIMOCOM, fasst es so zusammen: „Die Antworten reichen von mehr und besseren Zugängen zu Fahrpersonal über eine höhere Auslastung vorhandener Transportmittel und wirtschaftliche alternative Kraftstoffe bis zu Elektrifizierung und besseren regulatorischen Rahmenbedingungen. Sie machen zugleich deutlich, dass zusätzliche Kapazität allein die Herausforderungen nicht löst. Entscheidend ist, ob Transporte für die Unternehmen wirtschaftlich umsetzbar bleiben.“
Alle Thekentalks sind auf dem YouTube-Kanal von TIMOCOM zu finden.
Lisa Schneider