Bei Nachhaltigkeit im Transportunternehmen sind die üblichen Maßnahmen schnell genannt: Leerfahrten vermeiden, Kraftstoff sparen, Touren besser abstimmen. Die eigentliche Frage ist, womit ein Unternehmen konkret beginnt.
Der aktuelle Leitfaden des Umweltbundesamtes zum Klimamanagement empfiehlt, die Ausgangslage systematisch zu erfassen. Der Leitfaden richtet sich ausdrücklich auch an kleine und mittlere Unternehmen.
Dieser Beitrag zeigt, wie sich dieser Ansatz auf die tägliche Disposition übertragen lässt.
Um mögliche Auffälligkeiten zu erkennen, helfen die vorhandenen Auftrags- und Tourdaten. Sie zeigen, wo ein LKW entladen wurde, welcher Auftrag folgte, und welche Strecke dazwischen lag. Weitere Hinweise liefern Daten zum Kraftstoffverbrauch oder zum Transportstatus.
Eine einzelne Tour kann wegen einer Baustelle, eines verschobenen Zeitfensters oder einer kurzfristigen Änderung vom üblichen Ablauf abweichen. Für eine belastbare Einordnung reicht sie deshalb meist nicht aus.
Für den Vergleich eignen sich Fahrten, die unter ähnlichen Bedingungen stattfinden – zum Beispiel auf derselben Relation oder mit ähnlichem Einsatzprofil.
Dabei helfen vier Fragen:
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Aspekt |
Frage für den Vergleich |
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Leerstrecken |
Wie weit fährt der LKW zwischen zwei Aufträgen ohne Ladung? |
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Auslastung |
Bleibt regelmäßig Laderaum frei? |
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Verbrauch |
Weichen die Werte bei vergleichbaren Einsätzen deutlich vom üblichen Niveau ab? |
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Informationsfluss |
Kommen Änderungen so spät, dass die Disposition kaum noch reagieren kann? |
Die Übersicht ersetzt keine Treibhausgasbilanz. Sie zeigt, welche Bereiche näher betrachtet werden sollten.
Welche Maßnahmen Transportunternehmen nutzen können, um Emissionen im Transportalltag zu senken, lesen Sie in unserem Überblick.
Leerfahrten gehören weiterhin zum europäischen Straßengüterverkehr. Nach Eurostat entfielen 2024 21,6 Prozent der Fahrzeugkilometer von in der EU zugelassenen schweren Güterfahrzeugen auf Fahrten ohne Ladung. Bei in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen lag der Anteil bei 23,2 Prozent. Für die Disposition ist allerdings wichtiger, warum eine Leerfahrt entsteht.
Der Forschungsbericht „Umwelt- und Klimaschutz in der Logistik“ des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt, dass die Gründe sehr unterschiedlich sein können. Warenströme zwischen Regionen sind nicht immer ausgeglichen. Auch Anforderungen an Fahrzeug oder Auflieger können verhindern, dass für den Rückweg eine geeignete Ladung gefunden wird. Bei Tank- und Silotransporten ist die Rückladung oft schwieriger als bei einem Standardauflieger. Je nachdem, was zuvor transportiert wurde, kommen nicht alle Güter für den Rücktransport infrage – etwa wegen Rückständen, Reinigungsanforderungen oder der Beschaffenheit des Fahrzeugs.
Ist auf einer Relation kaum geeignete Rückfracht verfügbar, bringt eine frühere Suche wenig. Gibt es dagegen passende Aufträge, kann eine Rückladung trotzdem am engen Zeitfenster oder an einer zu späten Suche scheitern.
Die UBA-Studie nennt Frachtenbörsen als eine Möglichkeit, die Auslastung zu verbessern und vermeidbare Leerfahrten zu verringern. Über die TIMOCOM Frachtenbörse können Transportunternehmen passende Transportaufträge finden oder freien Laderaum anbieten. So lassen sich freie Kapazitäten gezielter nutzen.
Ein Verbrauchswert sagt erst dann etwas aus, wenn auch die Bedingungen der Fahrt berücksichtigt werden. Volle Beladung und viele Steigungen können den Kraftstoffbedarf erhöhen, während ein LKW bei gleichmäßiger Autobahnfahrt unter anderen Bedingungen unterwegs ist. Selbst auf derselben Relation können Verkehr oder Beladung den Verbrauch verändern. Deshalb sind Vergleiche vor allem dann aussagekräftig, wenn die Einsatzbedingungen ähnlich sind.
Die International Road Transport Union (IRU) greift diesen Zusammenhang in ihrem Eco-Driving-Programm auf. Kraftfahrer lernen dort unter anderem vorausschauendes Fahren und den Umgang mit der Fahrzeugtechnik. An das Training schließt sich laut IRU eine Phase an, in der das Fahrverhalten mithilfe von Fahrzeugdaten und Flottenmanagementsystemen beobachtet wird. Fallen dabei regelmäßig Abweichungen auf, können Strecke, Beladung oder Fahrweise genauer geprüft werden.
Die Entladung verzögert sich, die Disposition erfährt davon aber erst spät. Eine vorgesehene Rückladung passt dadurch möglicherweise nicht mehr ins Zeitfenster. Das Frachtangebot wäre vorhanden gewesen, für eine neue Planung fehlt nun jedoch die Zeit. Je früher solche Änderungen bekannt sind, desto mehr Spielraum bleibt für die weitere Tourenplanung.
Der Forschungsbericht „Umwelt- und Klimaschutz in der Logistik“ des Umweltbundesamtes ordnet intelligente Telematik und den Austausch von Daten der Prozessoptimierung in der Logistik zu.
Mit der TIMOCOM Live-Sendungsverfolgung können Beteiligte den Transportstatus und die voraussichtliche Ankunftszeit im Blick behalten.
Zeigen die ausgewählten Touren, wo die Disposition Einfluss hat, kann sie dort gezielt ansetzen. Wird bisher zu spät nach einer Rückladung gesucht, kann bei den nächsten vergleichbaren Transporten ein anderer Suchzeitpunkt ausprobiert werden.
Danach lohnt der Blick auf dieselben Daten. Haben sich die Leerkilometer verändert? Bleibt das Ergebnis gleich, war möglicherweise nicht der Zeitpunkt der Suche das eigentliche Problem. Auch ein unverändertes Ergebnis ist aufschlussreich. Es verhindert, dass eine Maßnahme weiterverfolgt wird, die unter den gegebenen Bedingungen wenig bewirkt. Der Leitfaden des Umweltbundesamtes behandelt das Überprüfen und Nachsteuern ausdrücklich als Teil des Klimamanagements.
Ein Fahrzeug, das regelmäßig zum Betriebshof zurückkehrt, bringt andere Voraussetzungen mit als ein LKW mit wechselnden Routen und Standorten.
Nach Angaben der Europäischen Kommission waren Ende 2024 mehr als 100 batterieelektrische Modelle schwerer Nutzfahrzeuge in Serien- oder Kleinserienproduktion verfügbar. Darunter waren auch Fahrzeuge über 7,5 Tonnen. Gleichzeitig bleibt der Ausbau der Ladeinfrastruktur ein wichtiger Faktor für den weiteren Markthochlauf.
Ob ein E-LKW für die eigenen Transporte geeignet ist, hängt deshalb nicht allein vom Fahrzeugangebot ab. Wichtiger ist, ob Reichweite und Lademöglichkeiten zu den vorgesehenen Strecken passen.
Eine Bestandsaufnahme hilft vor allem dabei, beeinflussbare Probleme von strukturellen Grenzen zu unterscheiden. Nicht jede Leerfahrt lässt sich vermeiden und nicht jede Auffälligkeit verlangt sofort nach einer neuen Maßnahme.
So wird klarer, welche Veränderungen im Alltag tatsächlich Wirkung zeigen und wo der eigene Handlungsspielraum endet.
Damit entsteht eine belastbare Grundlage für weitere Entscheidungen – im Tagesgeschäft ebenso wie bei größeren Investitionen.
Warum wir über Logistik schreiben? Weil wir seit über 25 Jahren Fracht und Laderaum zusammenbringen. Mit mehr als 58.000 Kunden ist der TIMOCOM Road Freight Marketplace eines der führenden Logistiknetzwerke für den Straßengüterverkehr in Europa.
Marie-Luise Neas