Logistikwissen 15.09.2020
5 min

Was tun bei offenen Rechnungen? Ihre Rechte und Pflichten bei Zahlungsverzug kurz erklärt

Eine Buchhalterin begleicht offene Rechnungen.

Der Auftrag ist ausgeliefert und die Rechnung geschrieben. Doch auf dem Konto ist kein Zahlungseingang und Sie warten auf Ihr Geld? Um den Zahlungsverkehr zu beschleunigen, wurde 2011 eine EU-Richtlinie erlassen. Europaweit wird so geregelt, was in jedem EU-Land gelten muss, wenn es zum Zahlungsverzug kommt. Was Sie bei einer ausbleibenden Zahlung tun können, wann Sie ein Inkassobüro beauftragen sollten und wer die Inkassogebühren trägt, erfahren Sie hier.

Richtlinien funktionieren im EU-Rechtssystem so, dass sie die Mitgliedsstaaten verpflichten, die enthaltenen Regeln in nationales Recht umzusetzen. Das heißt: Was die EU vorgibt, muss auch in Deutschland, Italien, Spanien etc. in die Gesetze aufgenommen oder geändert werden. So wird sichergestellt, dass für alle Bürger der Europäischen Union eine einheitliche Rechtslage gilt.

Die durch die Richtlinie 2011/7/EU vorgegebene und in allen Mitgliedstaaten geltende Rechtslage schafft klare Rechte und Pflichten, was zu tun ist, wenn eine Rechnung nicht bezahlt wurde. Besonders für eine so internationale Branche wie der Logistik ist das bedeutsam. Für Auftraggeber und Auftragnehmer macht dies im Geschäftsleben vieles einfacher.

Für Gläubiger und Schuldner bedeutet dies Folgendes:

Forderungen sind, wenn im Vertrag nicht anders vereinbart, sofort fällig. Innerhalb der Fälligkeit muss bezahlt werden, andernfalls tritt nach Ablauf von 30 Tagen der Verzug ein. Zuvor kam es in Transport und Logistik vor, dass eine längere Frist zur Bezahlung vereinbart wurde. Zahlungsziele von über 60 Tagen sind nur noch in Ausnahmefällen erlaubt und müssen im Vertrag festgehalten sein.

Der Gläubiger kann verlangen, dass Mühen und Kosten für das Einholen des Geldes vom Schuldner ersetzt werden. Das kann ein Mahnschreiben sein, ein Anwalt, der eingeschaltet wurde oder ein Inkassoservice. Für Sie als Gläubiger bedeutet dies, dass Sie sich Ihre Inkassogebühren durch den Schuldner erstatten lassen können. Zu den zusätzlichen Umständen, die dem Gläubiger entstehen, gehören auch Verwaltungskosten und interne Kosten. Auch ein Pauschalbetrag von 40 Euro kann vom Schuldner erhoben werden. Wird allerdings die Pauschale von 40 Euro erhoben, so sind alle Kosten (Mahnung/ Inkasso/Anwalt) darauf anzurechnen.

Der Gläubiger kann zusätzliche Verzugszinsen geltend machen. Laut EU-Richtlinie sind das neun Prozent über dem Basiszinssatz, die dem Schuldner zu Lasten gehen. Für eine verspätete Bezahlung bedeutet das neben den ursprünglichen Rechnungskosten gegebenenfalls noch weitere Zinsen. Dies gilt bei Geschäften zwischen zwei Unternehmen. Handelt es sich um eine Rechnung an eine Privatperson, gilt die Regelung nicht mehr.

Folgende Punkte müssen erfüllt sein, damit die oben genannten Rechte Gültigkeit haben:

Diese Regelungen gelten für Warenkäufe und Dienstleistungen. Entstehen aber Kosten, die vorher nicht vertraglich vereinbart wurden, wirkt die EU-Richtlinie hier nicht mehr. Sind etwa während eines Transports Schäden entstanden, die erstattet werden sollen, dann handelt es sich nicht mehr um die eigentliche Transportdienstleistung.

Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Ein LKW-Fahrer verursacht beim Anfahren der Laderampe einen Gebäudeschaden. Der Empfänger der Ware will diesen erstattet bekommen und schreibt eine Rechnung. Der LKW-Fahrer sieht einen anderen Sachverhalt und möchte diese Rechnung zunächst nicht begleichen. Er wäre in unserem Beispiel der Schuldner. Es kommt zum Streitfall. Der Gläubiger sieht sich im Recht und beauftragt einen Inkassoservice. In diesem Fall können eventuelle Inkassokosten nicht erstatten werden.

Ein weiteres Beispiel: Die Buchhaltung hat eine Rechnung falsch kontiert und doppelt bezahlt. Der Gläubiger möchte, dass die doppelte Bezahlung zurück überwiesen wird. Dies geschieht nicht. Ein Inkassodienst wird beauftragt, um die doppelte Zahlung einzutreiben. Auch in diesem Fall könnten die Inkassogebühren nicht geltend gemacht werden, weil es sich nicht um die ursprüngliche Dienstleistung handelt. 

Das vereinbarte Datum zur Bezahlung ist überschritten. Der Zahlungsverzug muss eingetreten sein und Sie müssen klar aufzeigen können, dass nach 30 Kalendertagen kein Geld bei Ihnen eingegangen ist. Erst danach können weitere Schritte eingeleitet und beispielsweise ein Inkassoservice beauftragt werden.

Eine Mahnung oder eine vergleichbare Zahlungsaufforderung ist nicht mehr nötig, aber sicherlich sinnvoll. Wenn die Rechnung innerhalb der 30-Tage-Frist nicht beglichen wurde, muss dem säumigen Kunden kein Mahnschreiben mehr zugeschickt werden. Nun könnte der Gläubiger in diesem Fall einen Anwalt oder einen Inkassoservice beauftragen.

Der Schuldner muss im EU-Gebiet ansässig sein. Das heißt, ist der Sitz der Firma außerhalb der Europäischen Union und es kommt zum Streitfall, kann natürlich ein Inkassounternehmen beauftragt werden. Kosten dafür können dann allerdings nicht mehr vom Schuldner zurückgefordert werden.

 

Die EU-Richtlinie gibt einen genauen Überblick darüber und erklärt, was man im Geschäftsleben darf, kann und soll. Klarere Regeln sind geschaffen worden, „um von der Überschreitung der Zahlungsfristen abzuschrecken“, wie es im Gesetzestext heißt. Der wohl wichtigste Aspekt dieser Richtlinie ist, dass Gläubiger einen Anspruch auf Erstattung ihres Verzugsschadens haben – und zwar außergerichtlich. Wichtig ist auch, dass es eine Obergrenze von 60 Tagen für Zahlungsziele gibt. Offene Rechnungen sollen schneller bezahlt werden, so das erklärte Ziel.

Sollte es einmal nicht dazu kommen, könnten Sie professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Beispielsweise hilft der Inkasso-Service von TIMOCOM Ihnen beim Umgang mit säumigen Zahlern und tritt im Bedarfsfall als neutraler Vermittler auf. TIMOCOM Rechtsexperte Alexander Oebel dazu: „Bei der Großzahl der Fälle sind es Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Parteien, die zu Missverständnissen führen.“ Eine neutrale Instanz kann vermitteln, so dass Unstimmigkeiten zwischen Geschäftspartnern geklärt, und diese bestmöglich in der Zukunft wieder zusammenarbeiten können.

Jetzt informieren

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Was tun, wenn der Kunden nicht zahlt?

Wirtschaftlich stark bleiben - Wie Sie Ihr Unternehmen aktuell schützen

Analyse zur Zahlungsfähigkeit in Transport und Logistik

Newsletter-Anmeldung

Bitte füllen Sie die markierten Felder korrekt aus.

Alle mit '*' markierten Felder sind Pflichtfelder, bitte unbedingt ausfüllen.

Mit dem Absenden Ihrer Registrierung bestätigen Sie Ihr Einverständnis mit unseren Datenschutzrichtlinien.

Newsletter-Anmeldung:


Ihre persönlichen Daten (E-Mailadresse, Name und Vorname) werden für die Informationszusendung von TIMOCOM GmbH an die Datenbank der SC-Networks GmbH (Registergericht: Amtsgericht München, Registernummer: HRB 14 65 73), Enzianstr. 2 in 82319 Starnberg weitergegeben. Die SC-Networks GmbH unterwirft sich dem Bundesdatenschutzgesetz, sowie den Weisungen der TIMOCOM GmbH.

nach oben

Ich stimme zu, dass diese Seite Cookies für Analysen, personalisierte Inhalte und Werbung verwendet. Erfahren Sie mehr