News 12.05.2020
5 min

Neubewertung bestehender Lieferketten

Versorgung an der kurzen Leine?

Das produzierende Gewerbe und der Handel stehen vor der Herausforderung, Lieferketten zukünftig krisensicher und somit unabhängiger von Rohstoffengpässen zu gestalten.

Zu den häufigsten Begleiterscheinungen der Coronakrise gehören Versorgungsengpässe durch unterbrochene Lieferketten. Durch die Globalisierung ist die Wirtschaft weltweit vernetzt; Rohstofflieferanten und Fertigungsstätten europäischer Produkte haben ihren Sitz häufig im Ausland. Durch die weitreichenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, sich neu aufzustellen. Und dies sehr kurzfristig, ohne Wirtschaftlichkeit auf der einen und Nachhaltigkeit für die Zeit nach der Krise auf der anderen Seite außer Acht zu lassen. Welche Lösungen es gibt, um eine Balance zu finden, macht die aktuelle Lage deutlich.

Die Krise legt die Fragilität der Wertschöpfungskette offen. Die Abhängigkeit von Nachfrage, von Lieferanten und äußeren Faktoren erweist sich als Schwachpunkt, ebenso die Just-in-Time-Produktion. Ein Weg zur Eigenständigkeit von Ländern und Unternehmen ist die deutliche Verkürzung der Lieferketten.

Inhalt:

Produktion am Ort der Nachfrage

Revolution der Lagernutzung

Flexible Infrastruktur trifft Nachhaltigkeit

Die Mischung macht's

Produktion am Ort der Nachfrage

Im Bedarfsfall autark produzieren zu können ist in Krisenzeiten essenziell, aktuell aber nur begrenzt möglich. Engpässe bei Gütern wie Atemschutzmasken und Medikamenten sind die Folge, mit der sich alle Länder Europas konfrontiert sehen. Die Waren werden hauptsächlich in China und Indien hergestellt, ebenso liefern sie manche der zugrunde liegenden Rohstoffe. Die Herstellung ins Inland oder nach Europa zu verlegen ist jedoch aufgrund der Intransparenz der Rohstoffquellen häufig schwer, was die genaue Herkunft sowie explizite Zusammensetzung betrifft. Einen adäquaten Ersatz im näheren Umfeld zu finden, wird hier zur zeit- und kostenintensiven Aufgabe.

Um flexibel auf Störungen reagieren zu können, sollten sich produzierende Unternehmen ein Netzwerk aus Lieferanten aufbauen. Zu diesen gehören neben Rohstofflieferanten auch Unternehmen aus Transport und Logistik. Kommen diese aus der näheren Umgebung, verbessert dies neben der Reaktionszeit auch die Transparenz der Wertschöpfungskette und damit das Vertrauen der Verbraucher in die Produkte. Ein Anlaufpunkt, um sich ein solch diversifiziertes Produktionsnetzwerk auf Dienstleisterebene aufzubauen, sind Systeme wie das von TIMOCOM. Hier treffen Produktion- und Handelsunternehmen aus ganz Europa aufeinander und können miteinander ins Geschäft kommen. Ebenso ist eine direkte Vernetzung mit Transport- und Logistikunternehmen über das System möglich.

Aufgrund erheblich höherer Qualitätsanforderungen und Produktionskosten als in beliebten Herstellungsländern wie China, Indien, Malaysia usw. würde sich auch der Preis für viele Produkte deutlich erhöhen. Das ließe sich nur durch die Produktion großer Mengen relativieren, wie es bei Atemschutzmasken und Medikamenten der Fall wäre und generell bei Gütern des täglichen Bedarfs.

Eine Aufgabe des Risikomanagements für vergleichbare zukünftige Situationen ist demnach die genaue Abwägung, welche Warengruppen im Krisenfall einer besonders hohen Nachfrage unterliegen. Die Fertigung im eigenen Land oder auf europäischer Ebene würde letztlich zur gewünschten Unabhängigkeit führen, bedingt allerdings auch eine entsprechende Schaffung der Infrastruktur.  Darüber hinaus würde auch das Know-how über die Rohstoffe und die Fertigung der Waren zurückkehren.


Revolution der Lagernutzung

Spricht man von Produktion im großen Stil kommt schnell die Frage auf, wo Rohstoffe auf der einen und fertige Produkte auf der anderen Seite eingelagert werden sollen. Das auf unbestimmte Dauer zu tun weicht von der bisherigen Norm ab und muss erst neu gelernt werden. Ihre Umsetzung hätte die Steigerung der Reaktionsfähigkeit im Bedarfsfall zur Folge, eine plötzlich steigende Anfrage könnte bedient und die Lieferfähigkeit aufrechterhalten werden.

Um auf anhaltende Ausnahmesituationen wie die Corona-Pandemie 2020 vorbereitet zu sein, sollten Produzenten Grundvoraussetzungen schaffen, die sie zur Reaktion auf eine Überproduktion befähigt. Überschüsse könnten dann auf Basis des gelernten Bedarfs produziert werden und lägen auf Abruf in ausreichender Menge bereit.


Flexible Infrastruktur trifft Nachhaltigkeit

Vor dem Schritt, die Produktion in die Region der Nachfrage zu ziehen, sollte in jedem Fall seine Nachhaltigkeit hinterfragt werden. Vor dem Hintergrund von COVID-19 haben nur wenige Unternehmen die Möglichkeit, die Produktion von z. B. Kleidung auf Atemschutzmasken umzustellen. Und solch eine Neuausrichtung müsste nach der Krise auch ebenso schnell wieder umkehrbar sein, da der Bedarf zurückgeht. Neuste Technologien einzusetzen ist bei der Schaffung neuer Produktionsstätten notwendig. Gleiches gilt für die dauerhafte Umrüstung bereits bestehender Fertigungsanlagen. Neue Technologien zeichnen sich durch Automatisierung sowie Digitalisierung aus und bilden den Grundstock für flexibles Handeln. Dies gilt im Speziellen für Krisen und generell für eine Zeit sich schnell ändernder Anforderungen der Verbraucher an Güter.

Die Produktion krisenrelevanter Ware kann daher für Unternehmen der Plan B sein. Alleinstellungsmerkmale wie eine biologische Abbaubarkeit nach Nutzung des jeweiligen Produkts könnten den Erfolg hier positiv beeinflussen. Denn das steigende Bewusstsein für Umwelt- und Ressourcenschutz in Bevölkerung und Industrie bildet den besten Ausgangspunkt dafür, Produkte nachhaltig herzustellen. Hierdurch ließe sich wiederum für die Verbraucher ein höherer Preis rechtfertigen und die Attraktivität für regional hergestellte Produkte steigern.



Die Mischung macht's

Eine Umsiedlung der Produktion aller Waren direkt auf den Absatzmarkt ist für Länder wie Deutschland, die vom Export leben, nicht zu empfehlen. Zum einen würden dem Beispiel andere folgen, zum anderen wären ihre Märkte wegen der hohen Kosten kaum noch konkurrenzfähig. Darüber hinaus könnte gerade die breite Masse an Kleinunternehmen die finanzielle Last auf Dauer nicht tragen. Das Risikomanagement sollte demnach die Klärung nach der Dringlichkeit, bei der jeweiligen Warengruppe eine Unabhängigkeit vom Ausland herzustellen, unbedingt berücksichtigen.

Schließlich wird es eine Kombination aller Komponenten sein, die Produzenten für die Zukunft wappnet:

    • regional und überregional sowie nachhaltig hergestellte Produkte
    • kurze Wege der Rohstoffbeschaffung
    • Einsatz modernster Technologien
    • Lagerung krisenrelevanter Waren auf lange Sicht

 

Erfahren Sie hier mehr zum Thema:

Zukunfts-Podcast „mal angenommen“

Lagerflächen ein Lösungsweg bei Kapazitätsengpässen

 

 

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