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Logistikwissen 23.02.2021
6 min

Mehr Raum für Teilhabe: Wie Frauen aktiv zum Wandel der Logistikbranche beitragen

Mitglied der Geschäftsleitung von LOXXESS Christina Thurner über Frauen in der Logistik

Eine weibliche Führungskraft in der männerdominierten Logistikbranche? Welche positiven Entwicklungen gibt es hier bereits – und an welcher Stelle hinken wir als Gesellschaft noch hinterher? Darüber berichte ich aus eigener Erfahrung im Traditionsunternehmen LOXXESS.

Mein eigener Weg in die Logistik war aufgrund unseres familiengeführten Logistikunternehmens einerseits sehr naheliegend. Andererseits musste ich mir dessen auch erst bewusst werden. Zunächst hatte ich vor, Psychologie oder einen künstlerischen Studiengang zu belegen, entschied mich am Ende doch für ein BWL-Studium. Hier eignete ich mir ein breites Spektrum an wirtschaftswissenschaftlicher Kenntnis an, die ich im elterlichen Betrieb in die Praxis umsetzen konnte.

Immer noch rar: Eine Frau als Führungskraft im Traditionsbetrieb

Obwohl ich erst Anfang 30 war, übertrug mein Vater die unternehmerische Verantwortung auf meinen Bruder und mich. Junge Führungskräfte in der Logistik müssen sich zwar naturgemäß erst bewähren. Doch dass ich als junge Frau eine solche Position einnahm, war ein Novum – und traf nicht auf vorbehaltlose Zustimmung. Mittlerweile ist es bei LOXXESS erklärtes Ziel, eine möglichst diverse Unternehmenskultur zu etablieren. Hinsichtlich des Frauenanteils sind wir stolz, dass nahezu 50 Prozent unserer Belegschaft weiblich sind. Bei den Führungskräften liegen wir bei 37 Prozent. In Zeiten, in denen sich große Konzerne eine Zielgröße von Null für den Frauenanteil definieren, finde ich es wichtig, auch Zeichen dafür zu setzen, wie die Zukunft aussehen sollte.

Bewegung und dauerhafte Sichtbarkeit für mehr Gleichberechtigung

Dieses Thema ist keine Eintagsfliege. Es haben sich bereits zahlreiche Bewegungen und Organisationen formiert, die der Thematik in Medien und Öffentlichkeit dauerhafte Sichtbarkeit verleihen. Da wäre zum Beispiel die AllBright-Stiftung, die sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen von Unternehmen einsetzt. Zuletzt begegnete man beispielsweise auf LinkedIn Statements erfolgreicher Frauen aus unterschiedlichsten Branchen unter dem Kampagnen-Hashtag #ichwill. Auch hier wurden ähnliche Forderungen verlautbart.

 

Jetzt Teil des größten Logistiknetzwerks Europas werden

Männer sind besser vernetzt, Frauen doppelbelastet

Männern wird nachgesagt, dass sie besser darin sind, sich karrierefördernde Netzwerke aufzubauen. Auch diese Fertigkeit sollten sich Frauen aneignen und einander unter die Arme greifen. Hinzu kommt, dass karrierebewusste Frauen oftmals eine Doppelbelastung erfahren, weil es einen großen Mangel an Horten, KiTas, Hausaufgabenbetreuung und weiteren öffentlichen Angeboten gibt. Wie die Corona-Krise gezeigt hat, scheinen traditionelle Rollenverteilungen letztlich doch noch tiefer zu sitzen, als man annehmen würde. Es sind vielfach die berufstätigen Frauen, die die Kinder von der Schule abholen und die Hausarbeit erledigen. Und: Die Stunden, die man im Beruf aufwendet, werden immer noch mit mehr Gewicht bemessen als die Zeit und Kraft, die man für die Familie, Home-Schooling oder die Pflege von Angehörigen aufwendet. Erschwerend kommt hinzu, dass teilweise noch ein Mindset vorherrscht, dass die Arbeitszeit nicht nach der Qualität, sondern der Quantität bemisst. So wird manchmal noch penibel darauf geachtet, wer zuerst den Arbeitsplatz verlässt. Vor dem Chef zu gehen, gilt als tabu. Dabei belegen Studien, wie z.B. die der Hans-Böckler-Stiftung, dass kürzere Arbeitszeiten potenziell die Produktivität steigern. Als zweifache Mutter weiß ich, was für einen Spagat man da oft anstellen muss. Wenn Corona etwas Gutes hatte, dann dass wir Deutschen endlich entspannter geworden sind, wenn im Videocall ein Kind durch den Bildschirm rennt!

Veraltete Rollenbilder und Geschlechterkämpfe

Meine Hoffnung ist, dass die Gesellschaft antiquierte Rollenbilder weiter infrage stellt und überprüft. Denn Frauen können selbstverständlich genauso gut führen wie Männer – oder eben genauso schlecht. Aber damit wir erst einmal zu dieser Erkenntnis kommen, müssen zum einen die Rahmenbedingungen offener gestaltet werden, zum anderen sehe ich auch bei uns Frauen Lernpotenzial. Es geht nicht nur darum, sich selbst einen Platz in der vermeintlichen Männerwelt zu erkämpfen, sondern gleichzeitig eine Schneise zu schlagen, damit andere Frauen es leichter haben. Zu lernen, wie man sich in Verhandlungen nicht unter Wert verkauft und ungerechtfertigte Zugeständnisse macht, gehört auch dazu.

Mit oder ohne Quote – Hauptsache, es findet eine Veränderung statt

Ob die Frauenquote ein sinnvolles Instrument ist, wird aktuell wieder viel diskutiert. Und das ist auch gut so! Meiner Ansicht nach ist es außerdem zunehmend wichtig, nicht nur die Themen rund um Quote und Gleichstellung zu bespielen. Wir als Arbeitgeber achten vermehrt darauf, die Chancen und Vielfalt der Logistik als Arbeitsfeld zu kommunizieren – immerhin des drittgrößten Wirtschaftsbereichs in Deutschland mit 3,3 Millionen Arbeitsplätzen.

Selbstreflexion als erster Schritt zum Erfolg

Man merkt, es bleibt einiges zu tun. Bei LOXXESS setzen wir bereits viel darauf, ein familienfreundliches Arbeiten zu ermöglichen – und haben großen Erfolg damit. Wir setzen um, was beispielsweise die Forschung in diesem Bereich nahelegt: Gemischte Teams sind effizienter und produktiver. Wie kommen wir in Gesellschaft und Unternehmen hier voran? Sich an die eigene Nase zu fassen und das eigene Verhalten zu reflektieren ist ein erster wichtiger Schritt.

Zur Autorin:
Christina Thurner ist Mitglied der Geschäftsleitung des Logistikunternehmens LOXXESS AG mit Hauptsitz in Tegernsee, das sie mit ihrem Bruder, Dr. Claus-Peter Amberger, gemeinsam führt. Beide halten seit 2010 74,8 Prozent der LOXXESS-Aktien, die ihnen ihr Vater Peter Amberger überschrieben hat. Thurner hat in der Schweiz Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Logistik studiert. Ins Familienunternehmen stieg sie 2010 ein. Sie verantwortet bei der LOXXESS AG die Bereiche Lean Management/Qualität, Strategie, Innovation sowie PR und Marketing. Seit 2016 ist die 40-Jährige zudem als Mitgesellschafterin in die Neuausrichtung des Schnelllieferdienstes trans-o-flex involviert. Christina Thurner ist Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) sowie Beirätin der Initiative „Die Wirtschaftsmacher“.

 

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