Transportunternehmen gründen – Voraussetzungen und Einstieg
Ein Artikel aus der TIMOCOM Starthilfe-Reihe
Der Gedanke, ein eigenes Transportunternehmen zu gründen, entsteht in der Praxis aus sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen. Häufig steht er am Ende mehrjähriger Berufserfahrung im Transport- oder Logistikumfeld. Wer Abläufe kennt, Touren fährt und regelmäßig mit Kunden und Disposition zu tun hat, stellt sich früher oder später die Frage, ob der Schritt in die Selbstständigkeit realistisch ist.
Gleichzeitig gibt es Gründer, die aus anderen Branchen kommen. Sie sehen den wachsenden Bedarf an Transportleistungen, bringen unternehmerische Motivation mit, verfügen jedoch noch über wenig praktische Erfahrung im Güterkraftverkehr. Gerade für sie ist schwer einschätzbar, welche Voraussetzungen tatsächlich erfüllt sein müssen und welche Hürden vor dem Markteintritt liegen.
Unabhängig vom persönlichen Hintergrund gilt: Der gewerbliche Güterkraftverkehr ist rechtlich und wirtschaftlich klar reguliert. Fahrzeuge, Genehmigungen, finanzielle Sicherheiten und persönliche Nachweise sind gesetzlich definiert. Wer ein Transportunternehmen gründen möchte, muss sich daher frühzeitig mit den formalen, finanziellen und organisatorischen Anforderungen auseinandersetzen.
Dieser Artikel zeigt, welche Bedingungen in Deutschland gelten, welche Nachweise erforderlich sind und welche Entscheidungen für einen tragfähigen Start im Transportgewerbe entscheidend sind.
Was braucht man, um ein Transportunternehmen in Deutschland zu gründen?
Um in Deutschland ein Transportunternehmen zu gründen, müssen Gründer mehrere gesetzlich geregelte Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählen eine gültige Güterkraftverkehrserlaubnis, der Nachweis der fachlichen Eignung, ausreichende finanzielle Leistungsfähigkeit sowie persönliche Zuverlässigkeit. Zusätzlich sind bestimmte Versicherungen vorgeschrieben und das Gewerbe ist ordnungsgemäß anzumelden. Welche Anforderungen konkret gelten, hängt unter anderem von der Fahrzeugklasse und dem Einsatzgebiet ab.
Gute Gründe für die Gründung: Deshalb sollten Sie ein Transportunternehmen gründen
Die Logistikbranche beschäftigt rund 3 Millionen Menschen und erzielt einen Umsatz von ungefähr 300 Milliarden Euro. Die Hälfte aller logistischen Dienstleistungen entfällt auf den Transport von Gütern. Da E-Commerce und Onlinehandel stetig wachsen, ist auch in der Logistik mit weiterem Wachstum zu rechnen. Dies ist eine hervorragende Voraussetzung, wenn man ein eigenes Transportunternehmen gründen möchte.
Welche Voraussetzungen gelten für die Gründung eines Transportunternehmens?
Die Gründung eines Transportunternehmens erfordert sorgfältige Planung und die Erfüllung bestimmter rechtlicher und betrieblicher Voraussetzungen. Von der Einholung der notwendigen Genehmigungen und Lizenzen bis hin zur Sicherstellung einer soliden finanziellen Basis und der Auswahl der richtigen Fahrzeugflotte – wer ein Transportunternehmen gründen möchte, muss eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigen.
Darüber hinaus spielen auch Kenntnisse im Bereich Logistik, betriebswirtschaftliches Know-how und die Fähigkeit zur Netzwerkbildung eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Unternehmens. Im Folgenden blicken wir auf die wichtigsten Fragestellungen bei der Gründung eines Transportunternehmens.
Ist eine Fachkundeprüfung für die Gründung eines Transportunternehmens erforderlich?
Ja, die Industrie- und Handelskammern (IHK) führen diese Prüfung in Deutschland durch. Darin wird Fachwissen zu Unfallvermeidung und Straßenverkehrssicherheit, Umweltschutz und technischen Normen sowie Recht und Kenntnisse der Betriebswirtschaftslehre abgefragt.
Wer zehn Jahre oder länger berufliche Erfahrungen im Güterverkehr nachweisen kann und dazu noch in einer leitenden Position war, kommt um die Fachkundeprüfung herum. In diesem Fall reicht die Berufserfahrung für eine Bescheinigung der fachlichen Eignung durch die IHK aus. Ebenso werden Ausbildungsabschlüsse in Speditionsberufen oder in Berufen des Güterverkehrs anerkannt. Inzwischen werden zusätzlich Bachelorstudiengänge mit entsprechendem Schwerpunkt zugelassen. Welche das sind, erfahren Sie auf der Website der zuständigen IHK.
Welche finanziellen Voraussetzungen müssen Gründer eines Transportunternehmens erfüllen?
Gründer müssen ihre finanzielle Leistungsfähigkeit nachweisen, um eine Güterkraftverkehrserlaubnis zu erhalten. Besonders wichtig: Transportunternehmen gründen geht nicht ohne Fahrzeug(e). Ob neu oder gebraucht – der deutsche Gesetzgeber verlangt für die Anschaffung eine finanzielle Rücklage. Für das erste Fahrzeug über 3,5t sind es 9.000 Euro. Jedes weitere Fahrzeug der Flotte muss mit je 5.000 Euro abgesichert sein. Die Bank oder ein Steuerberater stellen zum Beispiel über die erforderlichen finanziellen Mittel eine Bescheinigung aus, die dann bei der Beantragung der Güterkraftverkehrserlaubnis vorgelegt werden muss.
Welche Anforderungen gelten für die persönliche Zuverlässigkeit bei der Gründung eines Transportunternehmens?
Ob eine Person geeignet ist, um ein Unternehmen zu führen, wird ebenfalls geprüft. Gab es in der Vergangenheit oder zum Zeitpunkt der Beantragung eine Selbstständigkeit, müssen eine Krankenversicherungsbescheinigung, eine Bescheinigung der Selbstständigkeit vom Finanzamt sowie eine Mitgliedschaft in einer Berufsgenossenschaft nachgewiesen werden. In jedem Fall müssen ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis sowie Auszüge aus dem Verkehrs- und Gewerbezentralregister vorgelegt werden, wenn man ein Transportunternehmen gründen will.
Welche Versicherungen sind für ein Transportunternehmen vorgeschrieben?
Für Transportunternehmen sind bestimmte Versicherungen gesetzlich vorgeschrieben. Sie dienen dem Schutz vor finanziellen Schäden, die im Zusammenhang mit dem Betrieb von Fahrzeugen und dem Transport von Gütern entstehen können.
Bestimmte Versicherungen werden vom Gesetzgeber verlangt, so zum Beispiel eine Kfz-Haftpflichtversicherung, sowie eine Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung. Besonders wichtig ist auch die Güterkraftverkehrsversicherung, die Schäden abdeckt, die während des Transports von Gütern entstehen können.
Im TIMOCOM Blogartikel zum Thema Transportversicherung finden Sie wichtige Tipps zur Auswahl der richtigen Transportversicherung von Klaus Schäfer von KRAVAG.
Wie läuft die Gewerbeanmeldung für ein Transportunternehmen ab?
Für die Gewerbeanmeldung benötigen Sie die Güterkraftverkehrserlaubnis, in der Regel ein gültiges Ausweisdokument und in manchen Fällen ein Führungszeugnis und einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister. Für die Anmeldung besorgen Sie sich das entsprechende Formular bei Ihrem zuständigen Gewerbeamt bzw. online auf dessen Website. Auf dem Formular müssen alle erforderlichen Angaben ausgefüllt und zusätzlich eine Gebühr gezahlt werden, die meistens zwischen 20 und 60 Euro beträgt.
Das Finanzamt wird automatisch über die Gewerbeanmeldung informiert und sendet Ihnen einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zu. Wollen Sie außerhalb der EU tätig sein, benötigen Sie außerdem eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.
Den Betrieb als Transportunternehmen aufnehmen
Es gibt zwei Möglichkeiten für diejenigen, die ein Transportunternehmen gründen und sich selbstständig machen wollen. Sie können als selbstständiger Fahrer oder als Unternehmer durchstarten. Was bei diesen beiden Varianten zu beachten ist und welche Vorteile beides bietet, behandeln wir im Folgenden.
Einstieg als selbstständiger Fahrer
Mit dem LKW-Führerschein in der Tasche können Sie für andere Transportunternehmen fahren. Das könnte sich für diejenigen anbieten, die die benötigten finanziellen Rücklagen erst noch beschaffen müssen. Es bietet die Möglichkeit, erste Erfahrungen in der Logistik zu sammeln: Gefällt Ihnen das Arbeiten im Transportwesen? Fühlen Sie sich wohl als Selbstständiger? Ein weiterer Vorteil ist: Nutzen Sie lediglich Kraftfahrzeuge bis zu 3,5t zulässigem Gesamtgewicht, ist dies nicht erlaubnispflichtig.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Flexibilität: Sie können verschiedene Transportarten ausprobieren und herausfinden, welcher Bereich Ihnen am meisten liegt und wo die Nachfrage am größten ist. Zudem sammeln Sie praktische Erfahrungen im Umgang mit Kunden und in der Routenplanung, was Ihnen später bei der Leitung eines eigenen Transportunternehmens helfen könnte.
Einstieg als Unternehmer mit eigener Fahrzeugflotte
Sind alle Bescheinigungen vorgelegt und die Güterkraftverkehrserlaubnis ist eingeholt, können Sie Ihr eigenes Transportunternehmen gründen. Nun müssen Fahrzeuge gekauft oder geleast werden, um Transporte auch realisieren zu können.
Je nach Größe des Gründungskapitals können Transporter oder sogar LKW angeschafft werden. Der Transportmarkt ist breit gefächert und es gibt eine große Anzahl an Transportarten. Ob Schüttgut, Spezialtransporte oder Kurierdienste – mit der Anschaffung der Fahrzeuge legen Sie sich zeitgleich auf bestimmte Auftragsarten fest. Das sollten Sie im Hinterkopf behalten.
Weiterhin ist zu bedenken, welche Ziele Sie ansteuern möchten. Sollen auch grenzüberschreitende Transporte angeboten werden, müssen dazu vorab weitere Lizenzen beantragt werden. Für grenzüberschreitenden Güterkraftverkehr mit EU-/EWR-Staaten benötigen Sie eine Gemeinschaftslizenz. Diese wird auch als EU-Lizenz oder EG-Lizenz bezeichnet.
Es bietet sich aber auch die Möglichkeit an, einen regionalen Kundenkreis aufzubauen. In dem Fall ist es sinnvoll, vorab einige Zeit in Recherche zu investieren und sich anzuschauen, welcher Bedarf regional vorherrscht. Vielleicht ist es lukrativ, sich als Unternehmen zu spezialisieren und eine Marktnische zu besetzen.
Weitere Informationen rund um die Gründung und Führung von Transportunternehmen im Kleingewerbe finden Sie in unserer Themenübersicht mit praxisnahen Leitfäden und Hintergrundartikeln.
So finden Sie erste Transportaufträge
Wenn Sie alle Anforderungen erfüllen und Ihre Lizenzen erhalten haben, kann es losgehen. Als Ihr eigener Chef/Ihre eigene Chefin sind Sie von nun an neben vielen anderen Aufgaben auch für die Kundenakquise zuständig. Wie können Sie jetzt Frachtaufträge finden?
Insbesondere in der Anfangsphase entscheidet sie darüber, wie schnell sich Auslastung, Liquidität und Kundenstruktur entwickeln. Zu den klassischen Akquisewegen zählen direkte Kundenkontakte, feste Rahmenverträge mit Verladern sowie die Zusammenarbeit mit Speditionen. Diese Modelle bieten bei stabilen Beziehungen eine gewisse Planungssicherheit, setzen jedoch häufig bestehende Netzwerke oder Referenzen voraus.
Ergänzend dazu nutzen viele Transportunternehmen digitale Frachtenbörsen, um freie Kapazitäten anzubieten oder passende Transportaufträge zu finden. Digitale Frachtenbörsen sind Online-Plattformen, auf denen Verlader und Transportunternehmen freie Frachten und verfügbare Transportkapazitäten miteinander vermitteln.
Für Transportunternehmen bieten Frachtenbörsen die Möglichkeit, schnell erste Aufträge zu gewinnen und den Kreis potenzieller Geschäftspartner zu erweitern. Die Anbieter von Frachtenbörsen unterscheiden sich hinsichtlich Reichweite, Markttransparenz und Zusatzfunktionen.
Plattformen wie der TIMOCOM Road Freight Marketplace vernetzen Unternehmen aus Industrie, Handel und Transport im europäischen Straßengüterverkehr. In der Praxis nutzen sowohl kleinere als auch größere Transportunternehmen solche Plattformen, um ihre Auslastung zu steuern oder neue Geschäftspartner zu finden. Dazu zählen unter anderem Unternehmen wie die Karle logistics GmbH & Co. KG oder die TST Logistik GmbH.
Eine Frachtenbörse zu nutzen, bietet Ihnen zwei große Vorteile:
- Mit Frachtenbörsen können schnell erste Aufträge gewonnen werden.
- Sie bieten ein großes Netzwerk an potenziellen Geschäftspartnern.
Denn laut Branchenreport Logistik der Sparkassen Finanzgruppe ist eine der größten Herausforderungen kleiner und mittlerer Betriebe, von einzelnen Kunden wirtschaftlich abhängig zu sein. Damit Ihnen das gar nicht erst passiert, können Sie über eine Frachtenbörse nach weiteren Kunden suchen. So erweitern Sie Ihren Kreis an Geschäftspartnern kontinuierlich. Je größer das Netzwerk an Unternehmen in einer Frachtenbörse, desto höher Ihre Chance, neue Kunden zu finden. Dies sollten Sie bei der Wahl beachten.
Transportunternehmen gründen lohnt sich
Als stetig wachsender Wirtschaftssektor wächst die Attraktivität der Transport- und Logistikbranche für Selbstständige. Die Gründung eines eigenen Transportunternehmens ist daher eine naheliegende Entscheidung. Der Gründungsprozess mit dem Einholen aller Unterlagen und Lizenzen ist dabei nur der erste Schritt.
Ob ein Transportunternehmen langfristig wirtschaftlich betrieben werden kann, entscheidet sich vor allem an der Kostenstruktur, der Preiskalkulation und dem bewussten Umgang mit Marktrisiken wie schwankender Auslastung oder einer hohen Abhängigkeit von einzelnen Auftraggebern.
Sie möchten erste Transportaufträge finden oder freie Kapazitäten gezielt auslasten? Der TIMOCOM Road Freight Marketplace ermöglicht Transportunternehmen den Zugang zu einem europaweiten Netzwerk aus Verladern, Speditionen und Frachtführern. Testen Sie unverbindlich und verschaffen Sie sich einen eigenen Eindruck von Einsatzmöglichkeiten im Tagesgeschäft.
Paula Bongers
Schreibt bei TIMOCOM über Herausforderungen und Chancen im Straßengüterverkehr – mit einem Fokus auf praxisnahe Perspektiven.