2049 wird die Volksrepublik China 100 Jahre alt. Staatspräsident Xi Jinping will, dass sein Land bis dahin zur größten Volkswirtschaft der Welt geworden ist. Dazu soll auch die antike Seidenstraße wiederbelebt werden. Diese Handelsroute verbindet seit über 2.000 Jahren Asien mit Europa. Ihr Ausbau – Projektname „Belt and Road Initiative“, kurz BRI – gilt als größtes transnationales Infrastrukturprojekt des beginnenden 21. Jahrhunderts.
Wo genau verläuft die neue Seidenstraße? Welche Vorteile bringt sie der europäischen Logistik? Antworten liefern wir im folgenden Blogbeitrag.
Der Name ist eine Anlehnung an die historische Seidenstraße: Eine rund 6.400 km lange Handelsroute aus China nach Europa, die zwischen rund 100 v. Chr. und bis lange in die Neuzeit hinein Güter transportierte. Vor allem im Mittelalter wurden dort Seide, aber auch andere Rohstoffe wie Gold und Silber gehandelt. Unter dem Begriff „neue Seidenstraße“ (int. „Belt and Road Initiative“) werden heute interkontinentale Handels- und Infrastrukturprojekte zwischen China und vielen Ländern Afrikas, Asiens und Europas zusammengefasst.
Die Wiederbelebung der antiken Handelsroute ist das wichtigste, strategische Projekt der Amtszeit von Staatspräsident Xi Jinping. Motiviert ist es nicht zuletzt aus dem Bestreben, Exporte zu steigern, sich technologisch und wirtschaftlich an die Weltspitze zu setzen und unabhängig vom Ausland zu werden. China will sich dafür kritische Rohstoffe sichern und vor allem die Kontrolle über durchgehende Wertschöpfungsketten, Transportwege sowie die gesamte Logistikinfrastruktur erlangen. Auch für die Konrad-Adenauer-Stiftung ist das Infrastrukturprojekt daher nicht weniger als der Ausdruck des Anspruchs, zur globalen Wirtschaftsmacht aufzusteigen.
Ebenso wie die alte Seidenstraße aus verschiedenen Routen bestand, ist auch die Belt and Road Initiative ein mehrdimensionales Projekt. Zwei Hauptlinien gibt es: die Landroute („Silk Road Economic Belt“) die über Zentralasien und Russland nach Europa führt, und den Seeweg („21st Century Maritime Silk Road“), ausgehend vom Chinesischen Meer über Indischen Ozean, Rotes Meer, Suezkanal und schließlich das Mittelmeer.
Finanziert im Wesentlichen aus Krediten chinesischer Staatsbanken, entstanden in den ersten zehn Jahren, rund 80.000 km Autobahn und unzählige neue Bahntrassen - allein in China. Abkommen in Europa wurden mit Russland, Polen, Ungarn, Bulgarien, Serbien und Kroatien unterzeichnet. Von der Errichtung neuer Industriezonen, über die Förderung von Handel bis hin zum Bau von Kraftwerken und Krankenhäusern sind auch hier viele Projekte bereits angestoßen und umgesetzt worden.
Mittlerweile verbindet die neue Seidenstraße rund 60 % der Weltbevölkerung. 70 Länder und mehr als 4,5 Milliarden Menschen sollen es am Ende sein, womit die neue Seidenstraße laut Schätzungen 55% des weltweiten BIP und 75% der globalen Energiereserven umfassen wird. Athen, Istanbul, Venedig, Moskau, Rotterdam und auch Duisburg gelten dabei als zentrale Knotenpunkte in Europa. Investiert wird in Häfen, Flughäfen, Eisenbahnnetze, Straßen und Krankenhäuser, bis 2023 waren es schätzungsweise eine Billion Dollar. Zwischenzeitlich stagnierte das Vorhaben; im Jahr 2024 sank die Zahl der Projekte erstmals, wie die deutsche Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing berichtet, 2025 soll dann der globale wirtschaftliche Einfluss durch die BRI wiederum einen historischen Höchststand erreicht haben, so der China Belt and Road Initiative Investment Report 2025.
Statt auf gigantischen Großprojekten liegt der Schwerpunkt inzwischen auf kleineren Industriekoordinationen und grünen Technologien. China will seine Resilienz stärken und Risiken streuen. Grund dafür sind die geopolitischen Verwerfungen, die klassische Handelsrouten blockieren und internationale Warenströme weniger kalkulierbar machen. Besonders der Seeverkehr ist davon betroffen, Stichwort Straße von Hormus.
Vor diesem Hintergrund verlagert sich der Verkehr derzeit auf die Schiene, u.a. über den sogenannten Middle Corridor, eine mehr als 4.250 Kilometer lange Bahntrasse von Kasachstan über Aserbaidschan, Georgien und die Türkei nach Europa. Erst kürzlich hat der kasachische Eisenbahnbetreiber Kazakhstan Temir Zholy (KTZ) angekündigt, bis 2030 rund zehn Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Schieneninfrastruktur zu investieren. Die Konfliktherde in Russland werden damit umgangen.
China ist für Deutschland und viele weitere europäische Länder trotz immer stärkerer Konkurrenz nach wie vor einer der wichtigsten Handelspartner. Spätestens mit dem Aufkommen des E-Commerce stieg das Handelsvolumen deutlich an. Deshalb ist ein Ausbau der Ost-West-Lieferketten für viele Unternehmen und Volkswirtschaften attraktiv:
Entsprechend sieht auch Europas größter Eisenbahnhafen in Hamburg Chancen in der „Belt and Road Initiative“-Initiative: „Die neue Seidenstraße ist eine wichtige Ergänzung zum Seeverkehr für die globale Lieferkette zwischen China und Deutschland“, so Axel Mattern, Vorstand Hafen Hamburg Marketing. Seit 2016 waren bereits über 110.000 Züge mit einem Transportwert von mehr als 450 Mrd. USD auf der Strecke unterwegs. Sie verbinden 128 Städte in China, 229 Städte in 26 Ländern in Europa sowie über 100 Städte in elf Ländern in Asien.
Reibungslose Abläufe internationaler Lieferketten sind für die Unternehmen nun wichtiger denn je. Ein Ausbau der Bahnnetze für den Güterverkehr im Zuge der Seidenstraßen-Initiative ist daher grundsätzlich zu begrüßen. Diesem müssen sich in Europa gleichzeitig weitere Investitionen in die Straße anschließen, da erst so durchgehende Transportwege ohne Engpässe möglich werden.
Andererseits sind viele Unternehmen aus Industrie und Handel vor dem Hintergrund einer politisch und wirtschaftlich instabilen Weltlage inzwischen dazu übergegangen, wieder verstärkt auf Partnerschaften innerhalb Europas zu setzen. Damit soll die Abhängigkeit von globalen Zulieferern minimiert werden.
Ausgebaute See- und Schienenverkehre, gekoppelt an ein leistungsfähiges Straßenverkehrsnetz, sind Voraussetzung für den weiteren Ausbau des Handels zwischen Europa und China. Hiesige Unternehmen, die sich darüber hinaus dem TIMOCOM Marktplatz anschließen, können auf diesem durchgehenden Fundament auch in Zukunft dynamisch auf Marktveränderungen reagieren und somit ihr Geschäft sichern.
Warum wir über Logistik schreiben? Weil wir seit über 25 Jahren Fracht und Laderaum zusammenbringen. Mit mehr als 58.000 Kunden ist der TIMOCOM Road Freight Marketplace eines der führenden Logistiknetzwerke für den Straßengüterverkehr in Europa.